RadBahn-Touren von Lutum nach Rheine (1. Teil)

Leider ist die traditionsreiche Bahnstrecke vom Ruhrgebiet durch das Münsterland zur Nordsee zwischen Coesfeld-Lutum und Rheine abgebaut. Zum Glück ist die Strecke nun als RadBahn-Tour mit der Leeze (oder den Inlinern) zu befahren. Genau dies wird der Münsteraner Wolfgang Bensberg auf zwei Rädern während der Münsterland Bahn-Tage 2027 in drei Varianten anbieten Dabei besitzt bei An- und Abreise sowie bei vielen Stationen auf der Tour die Eisenbahn eine bedeutende Rolle.

Etwas Trauer schwang auf dem ehemaligen Bahnhof in Horst-
mar schon mit, als der Personenverkehr auf der Strecke 1984 eingestellt wurde.
(Foto: Franz Neugebauer)

Bahngeschichte wurde bei der RadBahn bewusst integriert

Dort wo bis 1984 täglich dutzende Züge rollten, sind heute zahlreiche Radlerinnen und Radler unterwegs. Die ehemalige Bahnstrecke zwischen Coesfeld-Lutum und Rheine wurde bis vor gut 15 Jahren zu einem komfortablen Radweg mit Asphaltdecke und drei Metern Breite sowie – eisenbahntypisch – einer geringen Steigung ausgebaut. Keine 50 Kilometer sind ohne Abstecher zwischen Start und Ziel zu bewältigen. Mit der Leeze in der Bahn kann sowohl am Bahnhof Rheine wie auch am Haltepunkt Lutum gestartet werden. Wer kürzer radeln möchte, kann die Tour am Bahnhof Burgsteinfurt starten oder enden lassen.

Die RadBahn zwischen Coesfeld-Lutum (unten links) und Rheine (obern rechts) ist knapp 50 Kilometer lang und sehr gut zu beradeln. (Grafik: openrailwaymap.org)

Streckengeschichte von 1879 bis 1984

Vor 42 Jahren verschwand eine Bahnlinie im Münsterland, die sich heute als Radweg zwar großer Beliebtheit erfreut, aber als ökologische Alternative zum Autoverkehr zwischen Coesfeld und Rheine fehlt. Am 1. Juli 1879 wurde die ehemalige Kursbuchstrecke (KSB) 284 Rheine – Coesfeld eröffnet. Sie führte als Teilstrecke der Trasse Duisburg – Quakenbrück im Münsterland von Dorsten über Coesfeld, Darfeld, Horstmar, Burgsteinfurt, St. Arnold und Hauenhorst nach Rheine.

Erbauer war die Rheinische Eisenbahn Gesellschaft. Die Planungen starteten im August 1874 und die Bauarbeiten begannen 1877. Es dauerte, auch weil einige der benötigten Grundstücke nur nach Enteignung zur Verfügung standen, knapp fünf Jahre bis zur ersten Fahrt. Von Anfang an gab es auf dieser Strecke Personen- und Güterverkehr. Bei Burgsteinfurt wurden in der Bauernschaft Veltrup und in der Hollich Betriebsbahnhöfe, die auch als Kreuzungs- und Überholbahnhof genutzt wurden, eingerichtet. Am 1. Januar 1886 ging die Strecke von der Kölner Rheinischen Eisenbahn Gesellschaft auf die Preußische Länderbahn über. Mit Wirkung zum 1. April 1920 wurden dann die Bahnen einiger Länder – darunter auch Preußen – zum Vorläufer der Deutschen Reichsbahn zusammengelegt.

Wiederbelebung durch „Hamsterfahrten“

In den beiden Weltkriegen wurde die Strecke für Truppentransporte und die Beförderung von Rüstungsgütern und kriegswichtigen Waren insbesondere zum Marinekriegshafen Wilhelmshaven genutzt. Durch die völlige Zerstörung des Bahnhofes in Rheine im Oktober 1944 musste der Zugverkehr auf der KSB 284 ganz eingestellt werden. Nach der notdürftigen Reparatur der Gleise und sonstigen Bahnanlagen nach dem Krieg kamen im Personenverkehr zunächst die berüchtigten „Hamsterfahrten“ auf. Im Güterverkehr fuhren bald aber auch wieder die traditionellen Kohle- und Erzzüge Richtung Küste.

Ab dem Sommerfahrplan 1950 gab es dann wieder planmäßigen Zugverkehr vom Ruhrgebiet (Eilzugpaar von Oberhausen) nach Oldenburg und weiter zu den Häfen an der Küste. In der jungen Bundesrepublik fuhren dann täglich bis zu 40 Güterzüge mit bis zu 2400 Tonnen Ladegewicht, weshalb häufig zwei Lokomotiven benötigt wurden, auf der eingleisige Strecke. Diese Schwerlastzüge querten das Münsterland überwiegend in den späten Abend- sowie den Nachtstunden.

Am ehemaligen Bahnübergang Hessenweg in Hauenhorst standen noch Schranken. (Foto: wikipedia.org)

Keine Elektrifizierung

Mitte der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde die Strecke schließlich weniger befahren, da die Deutsche Bundesbahn (DB) zunehmend Transporte auf die im Jahr 1972 elektrifizierte Strecke von Münster nach Rheine verlagerte. So wurde schon 1956 auf der KSB 284 der Nachtdienst eingestellt.

Einen gewissen Aufschwung für die Bahnstrecke gab es noch einmal zur Blütezeit der Horstmarer Strumpfstrickerei Schulte & Dieckhoff. Zwischen 1964 und 1967 wurden täglich bis zu 40 Waggons mit Stückgut im Bahnhof Horstmar abgefertigt. Damals waren dort 42 Personen beschäftigt. Doch der Niedergang war nicht mehr aufzuhalten, so dass schließlich Ende 1992 der letzte Güterzug aus Coesfeld den Bahnhof in Horstmar erreichte.

Auto-Umstieg führt zur Stilllegung

Der zunehmende Umstieg zahlreicher Bahnnutzer*innen auf das Auto ließ schon früh, nämlich Anfang der 1980er Jahre, bei der DB die Überlegungen zur Streckenstilllegung des Personenverkehrs auf der KSB 284 reifen. Am 28. September 1984 schließlich fuhr der letzte Personentriebwagen auf der Strecke: mit Trauerflor und dem Schild „Letzte Fahrt“
versehen.

Die Bahn nutzte die stillgelegten Gleise anschließend nur noch einige Jahre zum Abstellen von Güterwaggons.

Dann übernahm das Zweirad. Wie zwischen Burgsteinfurt und Metelen auf der Trasse der ehemaligen Westfälischen Landeseisenbahn, entstand für 6,4 Millionen Euro auch zwischen Coesfeld-Lutum und Rheine ein touristischer Radweg. Bei der Gestaltung des Radweges wurde außerdem die Bahngeschichte bewusst integriert. Entdecke Relikte der Bahngeschichte wie beispielsweise Hektometersteine, Signalmastanlagen oder alte Bahnhöfe.

Vormerken für die Bahn-Tage-RadBahn-Touren
Es werden drei Bahn-Tage-RadBahn-Touren während der Münsterland Bahn-Tage angeboten werden. Fahrradguide Wolfgang Bensberg fährt einmal die gesamte Strecke und zwei Mal Teilstrecken. Bei allen drei Touren steht neben dem Radeln selbstverständlich die Eisenbahn im Mittelpunkt. Allerdings kommt natürlich der Spaß und die kommt auch die Geselligkeit auf dieser Leezentour und bei der Einkehr nicht zu kurz. Die Anreise von auswärts sollte möglichst mit der Bahn erfolgen. Wird an einem der drei Bahnhaltepunkte auf der Strecke gestartet, erfolgt die Rückfahrt, wenn nicht mit kräftigem Tritt in die Pedalen, jeweils mit dem Zug über Münster, wo umgestiegen werden muss.
Start der kürzesten BahnRad-Tour (etwa 20 Kilometer) ist am Bahnhof Burgsteinfurt und führt über die Trasse bis nach Lutum. Bei der mittleren Tour (rund 25 Kilometer) beginnt am Bahnhof Metelen Land. Start ist dort am Bahnhofsmuseum, das möglichst auch besichtigt werden soll. Über Burgsteinfurt geht es nach Rheine, wo nach dem Erreichen des Bahnhofs noch zusätzliche Ziele angefahren werden können. Die Gesamttour führt von Lutum nach Rheine.
Da die Touren noch nicht durchgeplant sind, dies liegt an den noch nicht beendeten Absprachen mit den Menschen an den Orten an der Trasse, wo es etwas zu Sehen und zu Hören gibt beziehungsweise eingekehrt werden kann, ist es möglich, sich als potentielle Teilnehmer:in mit Stichwort „RadBahn“, Name, Alter, Postleitzahl des Wohnortes sowie einer Telefonnummer per Email auf die Teilnehmer:innenliste zu kommen.

Fortsetzung mit Vorstellung der heutigen Angebote der Anliegergemeinden folgt.

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