Auf der Leeze zu den Schienen in Münster

Während der Münsterland Bahn-Tage vom 30. April bis 9. Mai 2027 wird es verschiedene Radtouren im Münsterland geben. Der Vamos- und ADFC-Fahrradguide Bernd Uppena leitet zum Beispiel an Vatertag (6. Mai 2027) eine Leezentour durch Münster, die den Schienen in der Stadt folgt. Dabei stehen Eisenbahnthemen aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft auf dem Besichtigungsprogramm.

Bernd Uppena bietet am Vatertag eine Eisenbahn-Themen-Radtour durch Münster an. (Fotos: Werner Szybalski)

Am Hauptbahnhof ging es damals und geht es heute los

Das Eisenbahnzeitalter in Münster begann am 25. Mai 1848 mit einer „Festfahrt“ nach Hamm. Der erste Bahnhof in Münster lag am östlichen Stadtrand vor dem Servatiitor. Wo damals die Hamm-Münster-Eisenbahn der gleichnamigen Gesellschaft erstmals abfuhr, treffen sich am 6. Mai 2027 die Teilnehmer:innen der Eisenbahn-Radtour durch Münster.

Münsters Zentralbahnhof anno 1890. (Foto: Stadt Münster)

Vom Hauptbahnhof Münster geht vorbei an der ehemaligen „Königlichen Direction der Westfälischen Eisenbahn“ und weiter über die ehemalige Trasse der zweiten Bahnstrecke in Münster. Sie führte nach Rheine. Die am nordöstlichen Stadtrand gelegene Trasse war 1856 von der Westfälischen Eisenbahn verwirklicht worden. Ganz in der Nähe, an der heutigen Trasse nach Rheine, gibt es einen Zwischenstopp mit Blick in die Eisenbahn-Zukunft der Stadt. Die Planer favorisieren in Höhe des Niedersachsenring / Bohlweg einen Umsteigebahnhof im Zuge der S-Bahn-Münsterland-Verwirklichung zu errichten. Am Zentrum Nord, einem der jüngeren Bahnhaltepunkt in der Stadt, geht der zunächst Blick und anschließend die Radtour westlich nach Uppenberg.

Auf der ehemaligen Kleinbahn-Trasse zur Trümmerlok

Schienen der ehemaligen „Marienthal-Bahn“ in Uppenberg.

Die Geschichte der Uppenberger Kleinbahn zwischen Abzweig Nevinghoff und Bahnhof Neutor wird nichtmals jedem Menschen aus Münster bekannt sein. Noch weniger dürften sich Auswärtige schon mit der trotzdem fast hundertjährigen Geschichte befasst haben. Bei drei Stopps an diesen ehemaligen Gleisen werden die Teilnehmer:innen etwas über französische Kriegsgefangene, die 548 auf Geheiß der Nazis getöteten Bewohner:innen der Westfälischen Landesklinik Marienthal, die Drehscheibe an der Germania-Brauerei, wo einst auch das sagenumwobene „Pils 2000“ gebraut wurde, erfahren und sehen, wo früher die Artillerie ihr Depot hatte, aber heute Kinder friedlich spielen. Nicht mehr spielen sollten die Kinder auf der Trümmerlok, die ab 1962 für 39½ Jahre auf dem Spielplatz an der Kanalstraße / Coerdeplatz stand. Niemand weiß, wie viele zigtausend Kinder die 1910 bei Büscher in Berlin hergestellte Lok beklettert haben. Anfang dieses Jahrtausends war diese Kletterei auf einem nicht nach DIN-Norm geschaffenen, aber total beliebten Spielgeräts dem städtischen Grünflächenamt zu gefährlich. Die Lok wurde im Herbst 2003 abmontiert, anschließend gründlich überholt und im August 2004 an ihrem neuen Standort am Kalkmarkt zwischen Promenade, Münzstraße und der Straße Neutor vor dem Hauptquartier des 1. Deutsch-Niederländischen Korps wieder aufgebaut. Vermutlich um wilde Kletterei zu verhindern, ist die knapp sieben Tonnen schwere Trümmerlok 4093/10 mit der Spurbreite 600 mm und ehemals einer Leistung von 40 PS heute in einem Rechteck aus einer kniehohen Koniferenhecke „gesichert“.

Über die Kleinbahn in Uppenberg wurden auch im Eisenbahnwaggon die Biere aus der Germania-Brauerei, die später zur Dortmunder Union-Brauerei gehört, für Deutschland und auch für das Ausland abtransportiert. (Foto: Bahnbroesi)

An der WLE-Bahnstrecke staunen und genießen

Die Trümmerlok an der Promenade verbindet mit der Pängelanton-Dampflok in Gremmendorf das Spielplatz-Trauma. Als die KG Pängelanton sich in der 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gemäß ihres Vereinsemblems von 1932 eine echte Dampflok anschaffen wollte, sollte diese in Gremmendorf auf einem Spielplatz aufgestellt werden. Dies verhinderte – heute können wir wegen des dortigen Eisenbahnmuseums sagen: zum Glück – das Grünflächenamt der Stadt Münster. „Kein Spielgerät“ war die einfache Begründung, die aber mit dazu führte, dass heute am ehemaligen ersten WLE- Haltepunkt in Gremmendorf, der später mit der Dorfentwicklung nach Süden verlegt wurde, nicht nur die Hentschel-Dampflok T 9/3 aus dem Baujahr 1902 steht, sondern die KG ein ganzes Eisenbahnmuseum errichtet hat. Bevor die Teilnehmenden der Eisenbahn-Radtour aber in Gremmendorf sind, stehen unterwegs zwei andere WLE-Ziele an.

Bis zur Gründung der Bundesrepublik hielten die Züge der Westfälischen Landeseisenbahn am betriebseigenen Endbahnhof (r.) am Albersloher Weg. Bis zum Bahnhof Münster waren es von dort über den Berliner Platz rund 700 Meter. (Foto: Stadtarchiv Münster)

Zunächst wird die Ecke Albersloher Weg / Hafenstraße angesteuert. Dort stand bis zu seiner Zerstörung der Endbahnhof der WLE-Strecke Münster – Neubeckum – Lippstadt – Warstein. Erst im Jahr 1949 wurde ein Verbindungsgleis von der WLE auf die höher liegenden Staatsgleise mit Anschluss an den Hauptbahnhof Münster gelegt. Wo die Güterwaggons vom und für den Hafen übergeben wurden, steht direkt anschließend auf der Radtour-Agenda. Damals gab es dafür die „Städtische Hafenbahn Münster“, eine lokale Industriebahn, die ab 1899 den Stadthafen Münster und das umliegende Gewerbegebiet an das überregionale Schienennetz anband.

Im ehemaligen WLE-Lokschuppen am Bahnhof Münster-Ost standen auch die Züge und Waggons des Westfälischen Eisenbahnmuseums Münster.

Nicht weit entfernt ist dann der WLE-Bahnhof Münster-Ost ein Etappenziel. Dort wird heute gelegentlich Open Air gefeiert, aber bis 2011 gab es dort auch das „Westfälische Eisenbahn-Museum Münster“. Heute steht nur eine durch Graffiti verzierte Rangierlok von dem ehemaligen Lokschuppen. Die meisten Exponate des Museums gingen zu den Hammer Eisenbahnfreunden, die ihre Fahrzeuge teilweise auch weiterreichten. So steht die WLE-Lokomotive VL 601 seit 2013 im WLE-Eisenbahnmuseum Stadtlohn. Sie verließ die Museumseisenbahn Hamm stark reparaturbedürftig. Die Stadtlohner freuten sich aber sehr über die Dauerleihgabe, schließlich war die Lok schon von 1976 bis 1984 im Stadtlohner Museum beheimatet.

Neben dem Tag der offenen Tür im Pängelanton-Eisenbahnmuseum steht bei der Radtour auch ein Stopp beim Bahn-Tage-Flohmarkt an.

Im Schatten der Pängelanton-Dampflok in Gremmendorf können die Radtoueren-Teilnehmer:innen nicht nur verschnaufen, sondern auch das kulinarische Angebot der KG „Pängelanton“ genießen.

Umgehungsbahn und zukünftige Haltepunkte

Von Gremmendorf geht es entlang der Umgehungsbahn, die praktisch ausschließlich für den Güterverkehr genutzt wird, zum ehemaligen Haltepunkt „Preußen-Stadion“ an der Bahnstrecke von Lünen nach Münster, die in zwei Jahren ihr hundertjähriges Jubiläum feiert.

Nach der Besichtigung der Fläche des ehemaligen und vielleicht wieder zukünftigen Haltepunktes „Preußen-Stadion“ geht es am aufgelösten Bahnhof Geist zurück in Richtung Hauptbahnhof. (Bild: Stadtarchiv Münster)

Bevor es anschließend zurück in die Stadt geht, wird noch das Gelände des ehemaligen Bahnhofs Geist besucht. Schluss der Fietsentour durch Münster ist in der Nähe des Hauptbahnhofes, wo noch ein Blick auf das Gelände der Güterrampe an der Hafenstraße oder dem ehemaligen Güterbahnhof zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Albersloher Weg die informative und gesellige Radtour mit Bernd Uppena endet.

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