Pängelanton-Museum in Gremmendorf

Ein Publikumsmagnet bei den ersten Münsterland Bahn-Tagen im kommenden Jahr dürfte am Vatertag (6. Mai 2027) das geöffnete Eisenbahnmuseum der Karnevalsgesellschaft „Pängelanton“ in Münster-Gremmendorf werden. Es ist besonders für Ausflüge und natürlich Vatertagstouren ein lohnendes Ziel, denn die Mitglieder der KG werden nicht nur ihre „Schätze“ präsentieren, sondern die Besucher:innen auch kulinarisch erfreuen. Auch eine der lokalen Radtouren zur Eisenbahngeschichte, -gegenwart und -zukunft wird am Vatertag das Pängelanton-Museum ansteuern.

Am ersten Haltepunkt der Westfälischen Landeseisenbahn in Gremmendorf steht heute die liebevoll restaurierte T 9/3-Dampflok, die 1902 in Kassel bei Hentschel gebaut wurde. (Foto: Werner Szybalski)

Geschichte des Pängelanton-Eisenbahnmuseums

Betrieben wird das kleine Museum in Gremmendorf von der Karnevalsgesellschaft „Pängelanton“ von 1932 e.V., die in ihrem Vereinsemblem eine Dampflok besitzt. Deren damaliger Präsident, Franz-Josef Göckede, kam Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf die Idee, dass, passend zum Vereinslogo, es doch schön wäre, wenn der Verein sich eine Dampflok anzuschaffen. Dies war allerdings leichter gedacht als gemacht.
Geplant war, die Lok auf einem Spielplatz in Gremmendorf aufzustellen. Vor diese Überlegung stellte aber das münsterische Gartenbauamt ein Stoppschild auf. Um auf einem Spielplatz zu stehen, müssten erhebliche Sicherungsmaßnahmen an der Lok vorgenommen werden. Dies wollten die Gremmendorfer Karnevalist:innen aber nicht, denn „ihre“ Lokomotive sollte möglichst originalgetreu ausgestellt werden.
Es war auch nicht leicht, überhaupt eine passende Lokomotive zu finden und zu kaufen. Die ausrangierten Dampfloks der Deutschen Bahn kamen nicht in Frage, wie die Westfälischen Nachrichten sich erinnerten: „Die Deutsche Bahn hatte nur große Lokomotiven im Angebot für einen Schrottpreis von 30.000 Mark. Viel zu teuer!“

Theo Breider hatte den richtigen Riecher

Schließlich fanden die Gremmendorfer Karnevalisten mit Hilfe von Theo Breider vom Verein „De Bockwindmuehl“ und Dr. Eberhard Christ von der Westfälischen Verkehrsgesellschaft (WVG) in Lengerich „einen Schrotthaufen“ – die einstige Betriebslok Nummer fünf der Georgsmarienhütter Eisenbahnen. Diese Lokomotive, eine Dampflok der Baureihe T 9/3, die im Baujahr 1902 in den Henschel-Werken in Kassel gefertigt wurde, hatte nach 1975 der Eisenbahn-Kurier gekauft, um aus ihr ein Zuggerät für Dampflokfahrten zu machen. Dies Projekt scheiterte, weil der Kessel der Lok, übrigens eines der wenigen erhaltenen Exemplare dieser Baureihe, nicht die notwendige Zugkraft für die Personenwaggons erzeugen konnte.

Langsam verkam die Dampflok unter freiem Himmel zur Rostlaube. Fünf Jahre gammelte Pängel- anton vor sich hin, bis am 11. November 1980, passend zur Sessionseröffung, die Pängelanton Karnevalsgesellschaft aus Gremmendorf die Lok kaufte. Am 1. Februar 1981 wurde die T 9/3-Dampflok mit einer Diesellok von Lengerich für einen Zwischenstopp nach Münster gezogen. Von da ging es weiter zur Restaurierung bei der Westfälischen Landeseisenbahn in Lippstadt.

Stellplatzsuche in Gremmendorf

In Gremmendorf, so die Idee des damaligen KG- Präsidenten Franz-Josef Göckede, sollte die restaurierte Dampflok dem damals geplanten Kinderspielplatz am Heeremansweg / Krögerweg aufgestellt werden. „Damit die Kinder später mal wissen, wie ein Pängelanton ausgesehen hat“, zitierten die WN den Vereinsvorsitzenden. Doch das Grünflächenamt der Stadt Münster stellte bei diesem Vorschlag die Signale auf rot. Das Gartenbauamt befürchtete, dass von der aufgestellten Lok „enorme Gefahren für spielende Kinder“ ausgehen würden. Die Aufstellung der Lok als Spielgerät würde den Sicherheitsvorschriften eindeutig widersprechen. Bei entsprechender Sicherung wäre die Dampflok aber so sehr verändert worden, dass sie nicht mehr als „technisches Denkmal“ gelten würde. Zahlreiche Leserbriefe gingen ein, so dass Münsters Oberstadtdirektor Dr. Hermann Fechtrup sich persönlich in die Standortsuche für den Pängelanton einschaltete. Am 28. April 1981 vermeldeten die Westfälischen Nachrichten: „Jetzt beschlossen: »Pängelanton« kommt zum Erbdrostenweg. […] Genau an der Stelle, wo sich früher die alte [erste] Haltestation der Westfälischen Landeseisenbahn befand.“ So konnte die restaurierte T 9/3-Hentschellokomotive am 30. April 1982, also auf den Tag genau 45 Jahre vor dem Beginn der ersten Bahn-Tage im Münsterland, an der vor der Reaktivierung stehenden WLE-Strecke von (Neubeckum über) Sendenhorst über Albersloh, Wolbeck, Angelmodde, Gremmendorf, Loddenheide und Hafen zum Hauptbahnhof in Münster aufgestellt werden.
„Pängeln“ ist übrigens abgeleitet von „bimmeln“. Der Pängelanton ist also ei- ne Lokomotive, die an ihrem Bimmeln erkannt werden kann

Im Pängelanton-Museum sind auch viele historische Exponaten, wie Dienstmützen, Uniformen, Signalkellen, Lampen, Zugschilder und Betriebsgeräte aus Bahnhöfen und Stellwerken. (Foto: Werner Szybalski)

2016: Pängelanton glänzt wieder

Pängeln tut es selten im Museum in Gremmendorf, für das die Karnevalsgesellschaft Pängelanton nicht nur viele Exponate zur Eisenbahngeschichte gesammelt hat, sondern diese auch gut in Schuss hält. So wurde der Pängelanton vor zehn Jahren umfassend für rund 27.000 Euro in 370 Arbeitsstunden renoviert. „Die Löcher aus den Blechen der Schürze sind verschwunden, der Rost von den mächtigen Eisenträgern entfernt und am Schornstein blättert auch keine Farbe mehr ab: Gremmendorfs Wahrzeichen, die Pängelanton-Lok von 1902, erstrahlt in neuem Glanz“, vermeldeten die Westfälischen Nachrichten im April 2026. „Drei Jahre Planung haben sich gelohnt. Es ist ein schönes Gefühl, unsere Lok jetzt wieder in einem so prachtvollen Zustand zu erleben“, wurde der damalige Pängelanton-Präsident Jochem Lüke bei der Vorstellung des wieder makellos wirkenden Lok-Denkmals zitiert.

Neben der Dampflokomotive sind in der Außenanlage Raritäten der Eisenbahntechnik zu sehen (zum Beispiel ein Hauptsignal, ein Prellbock, ein Brückensignal, eine Wasserbetankungsanlage für Lokomotiven und auch eine, derzeit leider nicht fahrtüchtige Draisine). Hinzu kommt ein Sammelsurium von historischen Exponaten, wie Dienstmützen, Uniformen, Signalkellen, Lampen, Zugschildern und Betriebsgeräten aus Bahnhöfen und Stellwerken. Dies alles kann während der Münsterland Bahn-Tage 2027 bewundert werden

Handdraisine „Pängelblitz“

Die Draisine „Pängelblitz“ in Gremmendorf wurde 1989 nach preußischen Vorbildern nachgebaut. (Foto: Werner Szybalski)

Die Handhebeldraisine im Pängelanton-Museum ist ein Nachbau nach preußischen Vorbild, den der Förderkreis des Museums 1989 hat bauen lassen.
Mit Menschenkraft angetriebene Draisinen wurden bei der Eisenbahn hauptsächlich in der Bahnunterhaltung (Streckeninspektion, Kontrolle und kleinere Reparaturen der Gleis- und Signalanlagen) zur Beförderung von Personen, Werkzeug und Material – regional aber auch von Post – genutzt. Das relativ geringe Gewicht ermöglichte der Fahrgemeinschaft das Gerät von der Schiene zu heben, wenn ein Dampfzug sich annäherte. Ab circa 1895 wurden Draisinen zunehmend mit Verbrennermotoren ausgestattet.

Die Bezeichnung Draisine geht auf den Erfinder Karl Freiherr von Drais (1785-1851) zurück, der sich 1818 das zweirädrige Laufrad patentieren ließ. Das Vorgängergefährt des Fahrrades wurde später auch mit einem Kurbelschwingantrieb, der vor- und rückwärts gestoßen werden konnte, ausgestattet. Ab 1837 gab es davon vierrädrige Fahrzeuge für die Schiene. Dabei wurde die Antriebswippe von einem Handhebel mit Menschenkraft betrieben.

Der „Pängelblitz“ aus Gremmendorf kam 2005 zu Filmehren. Sechs Monate lang leihte die KG sie an eine Filmproduktionsgesellschaft aus, die den „Pängelblitz“ als Hauptrequisite für eine Produktion nutzte.

Das Pängelanton-Museum ist Sonntags nach Vereinbarung für Interessierte geöffnet. Weitere Termine sind nach Absprache möglich. Der Eintritt ist frei, jedoch sind Spenden zur Erhaltung der Anlagen jederzeit willkommen.
Pängelanton-Eisenbahnmuseum in Münster Gremmendorf
Albersloher Weg / Ecke Erbdrostenweg
Kontakt: Jan Bäumer (Tel. 0174-3850068)

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