Vorortbahnhof

Auf grüner Böschung glüht des Abends Schein.
Die Streckenlichter glänzen an den Strängen,
Die fern in einen Streifen sich verengen
Da braust von rückwärts schon der Zug herein.

Die Türen gehen auf. Die Gleise schrein
Vom Bremsendruck. Die Menschenmassen drängen
Noch weiß vom Kalk und gelb vom Lehm. Sie zwängen
Zu zwanzig in die Wagen sich herein.

Der Zug fährt aus, im Bauch die Legionen.
Er scheint in tausend Gleisen zu verirren,
Der Abend schluckt ihn ein, der Strang ist leer.

Die roten Lampen schimmern von Balkonen.
Man hört das leise Klappern von Geschirren
Und sieht die Esser halb im Blättermeer.

Das Gedicht „Vorortbahnhof“ stammt aus der Feder von Georg Heym. (Berlin VI)

Zum Gedicht
„Vorortbahnhof (Berlin VI)“ ist ein expressionistisches Gedicht von Georg Hey, das im Juli 1910 entstanden ist und das düstere, anonyme Treiben an einem abendlichen Vorortbahnhof in Berlin schildert. Das Gedicht beschreibt eine bedrückende, maschinelle Abendstimmung. Lichter glänzen an den Schienen, und ein Zug braust heran. Die einsteigenden Menschenmassen werden als anonyme Legionen dargestellt, die – „weiß vom Kalk und gelb vom Lehm“ – gedrängt in die Wagen strömen. Quelle: Projekt Gutenberg

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